Sunday, July 9, 2017

Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahneman

Schnelles Denken, langsames Denken (englischer Originaltitel: Thinking, Fast and Slow) ist ein Buch von Daniel Kahneman, das seine oft gemeinsam mit Amos Tversky durchgeführten Forschungen aus mehreren Jahrzehnten zusammenfasst.
Die zentrale These ist die Unterscheidung zwischen zwei Arten des Denkens: Das schnelle, instinktive und emotionale System 1 und das langsamere, Dinge durchdenkende und logischere System 2. Das Buch schildert kognitive Verzerrungen im Denken von System 1, und bietet dabei einen breiten Querschnitt von Forschungsergebnissen der sogenannten Heuristics-and-biases-Schule, die von Tversky und Kahneman in den 1970er Jahren begründet wurde. [Quelle: Wikipedia "Schnelles Denken, langsames Denken" vom 9. Juli 2017].

Die Psychologie zählt für mich neben der Biologie und der Informatik zu den spannendsten Wissenschaften. Als Informatiker finde ich es sehr beeindruckend, dass sich die Psychologie der Abstraktion bedient, um das Denken mittels zweier Systeme zu beschreiben. Dieser Beitrag soll mir als Zusammenfassung und Nachschlagewerk von Daniel Kahneman's Buch dienen; einem Buch das jeder mehrmals lesen sollte.

System 1

  • Schnell, automatisch, immer aktiv, emotional, stereotypisierend, unbewusst.
  • Das assoziative Gedächtnis, der Kern von System 1, konstruiert fortwährend eine kohärente Interpretation dessen, was zu jedem beliebigen Zeitpunkt in unserer Welt geschieht.
  • System 1 ist nicht für statistisches Denken ausgelegt, da wir tendenziell unser Wissen über die Welt überschätzen und wir unterschätzen welche Rolle der Zufall bei Ereignissen spielt.
  • System 1 ist so gestaltet, dass es aus dürftigen Informationen automatisch weitreichende Schlussfolgerungen zieht - es ist aber nicht imstande, zu ermessen, wir groß die Sprünge sind, die es beim Folgern macht. Wegen der WYSIATI-Regel zählen nur die verfügbaren Informationen.
  • System 1 ist leichtgläubig und neigt dazu Aussagen für wahr zu halten.

System 2

  • Langsam, anstrengend, selten aktiv (faul), logisch, berechnend, bewusst.
  • Zielgerichtetes, strukturiertes und konzentriertes Denken.
  • Eine der Hauptfunktionen von System 2 besteht darin, von System 1 "vorgeschlagene" Gedanken und Handlungen zu überwachen und zu kontrollieren; einigen davon erlaubt es, sich direkt im Verhalten auszudrücken, während es andere unterdrückt oder modifiziert.
  • Die Arbeitsteilung zwischen System 1 und System 2 ist höchsteffizient, da sie Aufwände minimiert und die Leistung optimiert.
  • Oftmals folgt das faule System 2 den Vorschlägen von System 1, was unser Denken anfällig für systhematische Fehler macht.
  • System 2 wird durch kognitive Beanspruchung mobilisiert.
  • System 2 ist dafür zuständig Aussagen anzuzweifeln, aber System 2 ist manchmal beschäftigt und oft faul.

Heuristiken und kognitive Verzerrungen

  • Müller-Lühr-Illusion ist eine sehr bekannte geometrisch-optische Täuschung.
  • Flow bezeichnet das als beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit.
  • Priming Effekt bezeichnet eine Beeinflussung einer Handlung durch eine Vorstellung.
  • Kognitive Leichtigkeit beschreibt ein Konzept, nach welchem entschieden wird, ob die Aufmerksamkeit neu ausgerichtet werden muss (Aktivierung von System 2) oder ob den Antworten von System 1 geglaubt werden kann.
  • Halo-Effekt: Unter dem Effekt wird die Tendenz verstanden, faktisch unabhängige oder nur mäßig korrelierende Eigenschaften von Personen oder Sachen fälschlicherweise als zusammenhängend wahrzunehmen.
  • Kognitive Verzerrung ist ein kognitionspsychologischer Sammelbegriff für systematische fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen.
  • WYSIATI - What You See Is All There Is: Voreilige Schlussfolgerungen aufgrund unvollständiger oder falscher Informationen.
  • Ankereffekt ist ein Begriff aus der Kognitionspsychologie für die Tatsache, dass Menschen bei bewusst gewählten Zahlenwerten von momentan vorhandenen Umgebungsinformationen beeinflusst werden, ohne dass ihnen dieser Einfluss bewusst wird.
  • Basisrate: Die Basisratenvernachlässigung, d. h. die Überschätzung der bedingten Wahrscheinlichkeit von Ereignissen mit niedriger Basisrate, erklären Kahneman und Tversky mit der Anwendung der Repräsentativitätsheuristik. Wahrscheinlichkeitsurteile sollten sich daher an der Basisrate orientieren.
  • Die Bayessche Regel gibt genau an, wie bestehende Überzeugungen (Basisraten) mit der Aussagekraft der Erkenntnisse - dem Ausmaß, in dem sie die Hypothese gegenüber der Alternative begünstigen - kombiniert werden sollten. Somit handelt es sich um die Verankerung eines Urteils über die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses in einer plausiblen Basisrate.
  • Regression zum Mittelwert ist ein Begriff der Statistik; er bezeichnet das Phänomen, dass nach einem extrem ausgefallenen Messwert die nachfolgende Messung wieder näher am Durchschnitt liegt, falls der Zufall einen Einfluss auf die Messgröße hat.

Selbstüberschätzung

  • Die Kompetenzillusion ist nicht nur ein individueller Urteilsfehler; sie ist tief in der Kultur der Wirtschaft verwurzelt.
  • Checklisten und einfache Regeln: Einfache statistische Regeln sind meistens intuitiven Urteilen überlegen. (Paul Meehl)
  • Intuition ist nicht mehr und nicht weniger als Wiedererkennen.
  • Voraussetzungen für Expertise sind eine hinreichend regelmäßige Umgebung um vorhersagbar zu sein sowie eine Gelegenheit diese Regelmäßigkeit durch langjährige Übung zu erlernen. Wenn es keine stabilen Regelmäßigkeiten in der Umgebung gibt, kann man der Intuition nicht vertrauen.

Entscheidungen

  • Der Planungsfehlschluss ist die Tendenz von Leuten und Organisationen, zu unterschätzen, wie viel Zeit sie zur Vollendung einer Aufgabe benötigen. Wir konzentrieren uns auf unser Zeil, verankern uns in unserem Plan und vernachlässigen relevante Basisraten.
  • Prä-mortem-Methode überwindet übermäßigen Optimismus indem sie Zweifel zulässt und nach möglichen nicht betrachteten Gefahren sucht.
  • Verlustaversion bezeichnet in der Psychologie und Ökonomie die Tendenz, Verluste höher zu gewichten als Gewinne. Die Verlustaversion ist ein Bestandteil der Prospect Theory (deutsch: Neue Erwartungstheorie), die 1979 von Kahneman und Tversky aufgestellt wurde.
  • Die Außensicht ist ein sehr wichtiges Monitoring-Instrument, da die Innensicht zum WYSIATI-Effekt neigt.
  • Framing-Effekt bezeichnet die Tendenz, dass unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft – bei gleichem Inhalt – das Verhalten des Empfängers unterschiedlich beeinflussen.

Zwei Selbste

  • Erlebendes Selbst vs. erinnerndes Selbst: Ich bin mein erinnerndes Selbst, und das erlebende Selbst, das mein Leben lebt, ist für mich wie ein Fremder.

Gedankenexperiment
Möglicherweise ist die Idee der Abstraktion unseres Denkens mittels System 1 und System 2 ein ideales Design bzw. eine vielversprechende Architektur für KI-Systeme wie etwa autonome Roboterautos.


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